Vortragssitzung

Krankheitskosten

Talks

Excesskosten der Demenz in einem Sample hochaltriger Hausarztpatient*innen (85+): Ergebnisse der multizentrischen AgeQualiDe-Studie
Lydia Neubert, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf

Abstract

Aufgrund der demographischen Alterung stellen die steigenden Krankheitskosten der Demenz weltweit eine enorme wirtschaftliche Herausforderung für viele Nationen und die Familien von Menschen mit Demenz dar. Die weltweiten Kosten der Demenz beliefen sich im Jahr 2015 auf 818 US $ und 86% dieser Kosten fallen in Ländern hohen Einkommens an. Unterschiedliche Methoden und Gesundheitssysteme, in denen die Daten erhoben wurden, erschweren oftmals einen Vergleich von Krankheitskostenstudien der Demenz. Im Excesskosten-Ansatz werden die zusätzlichen Kosten, die von Menschen mit Demenz im Vergleich zu Menschen ohne Demenz verursacht werden, abgebildet. Bisher liegen nur wenige Studien zu den Excesskosten der Demenz vor. Diese Studie soll den nationalen Forschungsstand zu den Excesskosten der Demenz aus gesellschaftlicher Perspektive erweitern.

Method

In einer Stichprobe aus hochaltrigen Hausarztpatient*innen (>85 Jahre; n=856; Teilnehmer*innen der multizentrischen, prospektiven Kohortenstudie AgeQualiDe) mit und ohne Demenz wurden die Inanspruchnahme und Kosten der Gesundheitsleistungen im ambulanten und stationären medizinischen Sektor, im ambulanten und stationären Langzeitpflegesektor sowie der informellen Pflege erhoben. Fehlende Werte wurden multiple imputiert. Mittels Entropy Balancing wurden die Unterschiede in den Kovariaten zwischen den Gruppen ausgeglichen. Durch Anwendung von Generalized Linear Models and Two-part Models wurden die Excesskosten als durchschnittliche Kostenunterschiede für jede Kostenkategorie geschätzt.

Results

Als Hauptergebnis wurden für Menschen mit Demenz signifikante Gesamt-Excesskosten von 11.789 € (95% CI 8.343-15.234 €) im Vergleich zu Menschen ohne Demenz in einem Zeitraum von 6 Monaten geschätzt. Sowohl in der Primär- als auch in der Sensitivitätsanalyse stellten die Excesskosten der informellen Pflege mit € 5.468 (95% CI € 2.694–8.241) bzw. € 6.081 (95% CI € 3334–8.827) die höchste Kostenkategorie dar.

Conclusion

Unserer Primäranalyse nach sind aus gesellschaftlicher Perspektive die Gesamtkosten für Menschen mit Demenz 2,5-mal höher als für Menschen ohne Demenz. Die Ergebnisse unterstreichen zudem den wirtschaftlichen und praktischen Wert der informellen Pflege in der Versorgung von Menschen mit Demenz. Diese Pflegeleistungen werden unbezahlt von Angehörigen, Freunden oder Bekannten erbracht, wodurch sie – bei gleichzeitigen Opportunitäts- und intangiblen Kosten – Ausgaben für die formale Pflege (z.B. ambulante Pflegedienste) einsparen. Es sind gesundheitspolitische Strategien erforderlich, um das Gesundheitssystem zu entlasten und die informellen Pflegepersonen für die Versorgung von Menschen mit Demenz auch in Zukunft zu stärken.


Authors
Lydia Neubert, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Hans-Helmut König, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Christian Brettschneider, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
The costs of Clostridioides difficile infection: a retrospective claims database study
Katharina Schley, Pfizer Deutschland GmbH

Abstract

Clostridioides difficile (C. difficile) is a spore-forming, anaerobic bacillus that produces exotoxins primarily affecting the large intestine and is transmitted via the fecal-oral route or by contamination of the environment. Risk factors for C. difficile infections (CDI) include old age and treatment with broad-spectrum antibiotics. Patients with CDI exhibit mild-to-severe diarrhea symptoms. Severe clinical manifestations can also include potentially fatal pseudomembranous colitis, toxic megacolon or rare extraintestinal symptoms. Currently, there is limited data on the costs associated with CDI in Europe; much of the research on the clinical and economic outcomes of C. difficile infections has been conducted in the United States. The overall aim of this study was to estimate the economic burden of C. difficile infections in Germany between 2013 and 2017.

Method

This was a retrospective observational study based on an age- and sex-representative sample of the InGef research database, covering anonymized health insurance data of approximately 4 million subjects from more than 60 statutory health insurance in Germany. A cohort analysis was conducted to assess health care costs, healthcare resource utilization, and mortality attributable to CDI in Germany. CDI patients were matched 1:4 to non-CDI patients using propensity-score matching by age, sex, and further risk factors.

Results

In total, 15,140 patients with CDI were matched to 60,560 controls between 2013 and 2016. The overall treatment costs per person per year in the CDI group were more than four times the costs as compared to non-CDI controls in the first (cost difference 30,443 euros), 2.5 times higher in the second (difference 17,579 euros), and 2.2 times higher in the third year after first CDI (difference 11,306 euros). CostsCost were mainly driven by inpatient treatment with a length of stay of 73 days per person per year in the first year after CDI compared to 13 days per person per year in non-CDI controls. Overall, one-year mortality rates were 45.30% (C. difficile infection group) versus 12.46% (control group).

Conclusion

CDI is associated with a high clinical and economic burden for the healthcare system due to the high health care resource utilization, high costs and high mortality. The overall high average costs in infected patients may be driven by the excess mortality, as costs, especially for inpatient treatment often compress in the period close to death. Preventive measures like effective infection control and hygiene as well as antibiotic stewardship should be implemented in order to decrease the economic burden of CDI.


Authors
Katharina Schley, Pfizer Deutschland GmbH
Jennifer Moïsi, Pfizer Vaccines
Dennis Häckl, WIG2 GmbH
Dominik Beier, InGef – Institut für angewandte Gesundheitsforschung Berlin
Gordon Brestrich, Pfizer Pharma GmbH
Christof von Eiff, Pfizer Pharma GmbH
Thomas Weinke, Ernst von Bergmann Klinikum
Krankheitskosten der atopischen Dermatitis in Deutschland: Analyse von Primärdaten aus der dermatologischen Routineversorgung
Nicole Mohr, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE), Institut für Versorgungsforschung in der Dermatologie und bei Pflegeberufen (IVDP), Hamburg Center for Health Economics (HCHE)

Abstract

Die atopische Dermatitis (AD) ist eine der häufigsten chronischen Hauterkrankungen, von der 2-4% der Erwachsenen in Deutschland betroffen sind. Therapeutische Innovationen wie das kürzlich eingeführte erste Biologikum haben das Interesse an den Kosten der AD erhöht. Da aktuelle Daten fehlen, war es das Ziel dieser Studie, die jährlichen Krankheitskosten von Erwachsenen mit AD aus gesamtgesellschaftlicher Perspektive zu ermitteln.

Method

Es wurde eine bundesweite versorgungswissenschaftliche Querschnittsstudie in 112 dermatologischen Praxen unter Routinebedingungen durchgeführt. Kostenparameter wurden mit einem standardisierten Fragebogen erfasst. Dieser berücksichtigt Kosten für systemische und topische Therapien, ambulante und stationäre Behandlungen, Reha-Aufenthalte, sowie Fahrtkosten. Sämtliche Therapien und Inanspruchnahmen von Leistungen wurden durch die Patient*innen angegeben und im Zuge der Analyse in Kosten übersetzt. Es wurden direkte Kosten für die GKV und für die Patient*innen bestimmt. Zudem wurden indirekte Kosten berechnet.

Results

Von August 2017 bis Juni 2019 wurden insgesamt n=1.291 erwachsene Patient*innen befragt. Die jährlichen Gesamtkosten betrugen 3.616€ ± 6.452€ (Median 874€) pro Patient*in. Die direkten Kosten beliefen sich auf 3.133€ ± 5.754€ (Median 754€), die indirekten Kosten betrugen 483€ ± 2.058€ (Median 0€). Die höchsten direkten Kosten wurden durch die systemische Behandlung verursacht (1.540€ ± 4.913€, Median 0€), gefolgt von stationären Aufenthalten (631€ ± 1.848€, Median 0€). Die von den Patient*innen zu tragenden Kosten beliefen sich auf 377€ ± 497€ (Median 211€). Die Gesamtkosten für die GKV betrugen 2.628€ ± 5.380€ (Median 375€). Geht man von der kürzlich veröffentlichten Prävalenz von 3,7% in der deutschen erwachsenen Bevölkerung aus, so werden die jährlichen Kosten der AD bei Erwachsenen in Deutschland auf 2,2 Milliarden € geschätzt.

Conclusion

Ein besonderer Vorteil der Primärdatenerhebung ist die Berücksichtigung der patientenseitigen Kosten, da speziell bei der Neurodermitis auf eine Vielzahl nicht-verschreibungspflichtiger Therapien zurückgegriffen wird. Im Vergleich zu einer Studie aus dem Jahr 2005, die Gesamtkosten von 1.425 € pro Patient*in ermittelte, ist ein deutlicher Anstieg zu verzeichnen. Eine höhere Inanspruchnahme von Leistungen, gestiegene Preise und die Einführung innovativer Medikamente werden als Ursache vermutet. Im Vergleich zu einer methodisch ähnlichen Studie zur Psoriasis verursacht die AD erheblich geringere Gesamtkosten, während die Kostenbelastung für die Patient*innen bei AD höher ist als bei Psoriasis. Die könnte auf die fehlende Kostenerstattung für die Basisbehandlung, aber auch auf die Notwendigkeit einer verbesserten medikamentösen Behandlung hinweisen.


Authors
Nicole Mohr, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE), Institut für Versorgungsforschung in der Dermatologie und bei Pflegeberufen (IVDP), Hamburg Center for Health Economics (HCHE)
Mandy Naatz, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE), Institut für Versorgungsforschung in der Dermatologie und bei Pflegeberufen (IVDP), Hamburg Center for Health Economics (HCHE)
Lana Zeervi, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE), Institut für Versorgungsforschung in der Dermatologie und bei Pflegeberufen (IVDP)
Anna Langenbruch, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE), Institut für Versorgungsforschung in der Dermatologie und bei Pflegeberufen (IVDP), Hamburg Center for Health Economics (HCHE)
Thomas Bieber, Universitätsklinikum Bonn, Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie
Thomas Werfel, Medizinische Hochschule Hannover, Klinik für Dermatologie
Andreas Wollenberg, Ludwig-Maximilians-Universität München, Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie
Matthias Augustin, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE), Institut für Versorgungsforschung in der Dermatologie und bei Pflegeberufen (IVDP), Hamburg Center for Health Economics (HCHE)
Healthcare Costs of pediatric Inflammatory Bowel Disease in Germany
Renee Stark

Abstract

Crohn’ disease (CD) and ulcerative colitis (UC) are the primary types of inflammatory bowel disease (IBD). These are life-long chronic-remitting diseases, which may have extra-intestinal manifestations and can affect children, adolescents and adults. This study aimed to determine the costs associated with pediatric IBD in Germany from a societal perspective and to identify factors associated with costs.

Method

Parents of children with IBD reported disease-associated healthcare resource use and costs prospectively in a cost diary over 4 weeks. In-and outpatient medical care, medications, parents' absence at work for the child’s IBD and out-of-pocket expenditures were reported. IBD status and history of the child's IBD and demographic data were also collected. Costs were calculated based on utilization using unit costs and presented as mean costs, with 95% confidence intervals determined by non-parametric bootstrapping (shown in brackets). To analyze factors associated with costs a generalized linear model with gamma distribution and log link was used.

Results

Cost diaries were returned by 547 parents (CD: n=366, UC: n=181). The mean age of their children was 14 years and mean disease duration 4 years. The average mean annual costs per child were €10,114 [8,495; 11,984] for Crohn's Disease and €8,684 [6,6330; 12,892] for Ulcerative Colitis. Regression analyses identified disease activity as a significant determinant of costs of IBD, resulting in costs for children with active disease, which are 1.67 times higher [1.41; 1.98] than for children with IBD in remission.

Conclusion

This is the first study to determine costs for pediatric patients with IBD in Germany. Results indicate an influence of disease activity on total costs, especially for pediatric patients with Ulcerative Colitis. This data provides initial cost estimates that are valuable for economic assessment of the disease.


Authors
Lina Andresen, IGM-Helmholtz Zentrum München
Antje Timmer, Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, Abteilung Epidemiologie und Biometrie Fakultät VI, Department für Versorgungsforschung
Renee Stark, IGM Helmholtz Zentrum München