Kurzvortragssession

HTA und Kostenstudien

Vorträge

Kosten CPAP behandelter OSA-Patienten mit Anzeichen einer residualen EDS - Eine bevölkerungs-repräsentative Krankenkassendaten-Studie in Deutschland
Tino Schubert, LinkCare GmbH

Einleitung

Die residuale exzessive Tagesschläfrigkeit (residuale EDS) ist ein Symptom, das bei obstruktiver Schlafapnoe (OSA), auch unter Continuous Positive Airway Pressure (CPAP), auftreten kann. In Deutschland sind 34.107 Patienten betroffen, allerdings waren zum Zeitpunkt der Analyse keine Therapieoptionen für die behandlungsbedürftige residuale EDS bei OSA verfügbar. Zudem bestand keine Kenntnis über die Kosten aus GKV-Perspektive. Ziel dieser Studie war daher eine Analyse der GKV-Gesamtkosten nachdem Anzeichen einer residualen EDS bei CPAP behandelten OSA-Patienten beobachtbar waren und ein Vergleich mit (literaturbasierten) Referenzwerten durchschnittlicher GKV-Versicherten.

Methode

Diese Kohortenstudie nutzte die InGef-Forschungsdatenbank, einen anonymisierten repräsentativen Datensatz gesetzlich krankenversicherter Personen in Deutschland (n=4 Mio.). Anzeichen für eine residuale EDS waren nicht über Abrechnungscodes (ICD-10-Codes) operationalisierbar. Daher wurde ein von Experten konsentierter Diagnostikprozess zum Patientenaufgriff genutzt. Dieser bildet die Schritte, die ein Patient typischerweise während des Diagnostikprozesses in Deutschland durchläuft, ab. Ergebnisvariablen waren Ressourcenverbräuche und GKV-Gesamtkosten. Der Betrachtungszeitraum betrug drei Jahre vor und zwei Jahr nachdem Anzeichen einer residualen EDS erstmalig in der Datenbank beobachtbar waren (d.h. nach Durchlaufen der Schritte im Diagnostikprozess).

Ergebnisse

In der Datenbank wurden 1.298 Patienten, bei denen Anzeichen einer residualen EDS beobachtbar waren, identifiziert. Das Durchschnittsalter lag bei 59 Jahren, 71% waren männlich und 13% waren frühverrentet. Die GKV-Kosten lagen ein Jahr, nachdem Anzeichen einer residualen EDS beobachtbar waren, bei 7.291€ (Referenzwert: 3.190€). 32% wurden stationär versorgt (Referenzwert: 20%). 56% der sozialversicherungsrechtlichen Beschäftigten waren Ø 59 Tage arbeitsunfähig (Referenzwert: 48%, Ø 15 Tage). 15% der Beschäftigten bezogen Krankengeld (Referenzwert: 4%). Die GKV-Ausgaben pro Krankengeld-Bezieher betrugen 7.772€ im Jahr, hochgerechnet auf alle GKV-Versicherten entspricht das 17.308.244€ pro Jahr.

Zusammenfassung

Auch aus Perspektive der Sozialversicherung besteht unter den CPAP behandelten OSA-Patienten, für die unter Verwendung eines expertenbasierten Patientenaufgriffs Anzeichen für EDS festgestellt wurden, im Vergleich zum durchschnittlichen GKV-Versicherten eine hohe Krankheitslast: 1. Jeder Dritte wurde stationär versorgt, 2. Jeder Zweite war innerhalb eines Jahres im Schnitt 59 Tage arbeitsunfähig, 3. Der Anteil der Krankengeld-Bezieher war im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung um den Faktor 3 erhöht. Limitation der Studie war der Patientenaufgriff, der sich aufgrund des fehlenden Diagnosecodes für die residuale EDS am Diagnostikprozess orientierte.


Authors
Georg Nilius, KEM | Evang. Kliniken Essen-Mitte gGmbH
Ulf Kallweit, Universität Witten/Herdecke, Institut für Immunologie
Daniel Trümper, Jazz Pharmaceuticals Germany GmbH
Julia Stiefel, LinkCare GmbH
Tino Schubert, LinkCare GmbH
Szenarien für Kosteneinsparungen durch den Onkotype DX® Test Geführte Entscheidungen für adjuvante Chemotherapie bei Brustkrebs im Frühstadium in Deutschland
Kirsten H. Herrmann, Exact Sciences GmbH

Einleitung

Eine adjuvante Chemotherapie und endokrine Behandlung reduziert das Risiko eines Rezidivs bei Patientinnen mit HR+, HER2- Brustkrebs im Frühstadium. Die Chemotherapie ist mit einer zusätzlichen klinischen Belastung verbunden, und nicht alle Patientinnen haben einen klinischen Nutzen. Beweise aus der langfristigen prospektiven randomisierten kontrollierten Studie (RCT) TAILORx bestätigten, dass der Onkotyp-DX®-Test die Wahrscheinlichkeit eines Nutzens der Chemotherapie bei Patientinnen ohne Lymphknotenbeteiligung vorhersagt. Diese Ergebnisse wurden vom IQWiG anerkannt und die Kosten wurden erstattet. Ein geringerer Einsatz von Chemotherapien wird die Kosten für das Gesundheitssystem potenziell senken. Diese Analyse quantifiziert die wirtschaftlichen Auswirkungen dieser Entscheidung.

Methode

Dieses Budget Impact Modell basiert auf folgenden Annahmen. Die mit einer Chemotherapie verbundenen Kosten und ihre Häufigkeit wurden bei Verwendung des Onkotyp-DX-Tests vs. kein Test verglichen. Die Verteilung der Gruppen mit Recurrence Score®-Ergebnissen (RS) basiert auf der TAILORx-Studie. Die Kosten des Standard-Chemotherapie-Schemas basieren auf der Berechnung von Lux et al. (2017) mit aktualisierten Kostendaten. Für dieses Modell wird angenommen, dass die getesteten Patienten Kandidaten für eine Chemotherapie sind. Bei den Tests gehen wir von folgenden Annahmen aus: 10% der Patienten mit einem RS-Ergebnis <11 und 20% der 11-25 Patienten erhalten eine Chemotherapie, die von den Testergebnissen abweicht. 100% der Patienten mit einem RS-Ergebnis >25 erhalten eine Chemotherapie.

Ergebnisse

Die direkten Kosten der Standard-Chemotherapie (Epirubicin + Cyclophosphamid + Paclitaxel) werden auf 12.135 € geschätzt, einschließlich Medikamente, Verabreichung, Überwachung und Behandlung von Komplikationen. Der erstattete Testpreis beträgt 3.392 €. Von 1.000 Patienten können auf der Grundlage des beschriebenen Szenarios etwa 681 Patienten von einer Chemotherapie verschont bleiben, was zu einer Kostenersparnis von insgesamt 8.258.964 € führt. Die Testkosten für 1.000 Patienten belaufen sich auf 3.392.860 €. Tests und die damit verbundene Reduzierung des Chemotherapie-Einsatzes führen zu Einsparungen von 4.866.104 € für 1.000 Patienten.

Zusammenfassung

Der Einsatz des Oncotyp-DX-Tests bei Patientinnen mit Brustkrebs im Frühstadium bietet ein hohes Potenzial zur Kosteneinsparung für das deutsche Gesundheitssystem, indem er Patientinnen anleitet, wann sie eine adjuvante Chemotherapie sicher vermeiden sollten.


Authors
Michael Patrick Lux, Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe, Frauenklinik St. Louise, Paderborn, St. Josefs-Krankenhaus, Salzkotten, St. Vincenz-Krankenhaus GmbH, Paderborn
Lisa Brandt , Ecker + Ecker GmbH, Hamburg, Deutschland
Kirsten H. Herrmann, Exact Sciences Deutschland GmbH, München Deutschland
Thomas Ecker, Ecker + Ecker GmbH, Hamburg, Deutschland
Budget-Impact-Analyse des Oncotype DX® Genomic Prostate Score™ Tests bei Patienten mit lokalisiertem Prostatakrebs in Deutschland
Kirsten H. Herrmann, Exact Sciences GmbH

Einleitung

Das Prostatakarzinom (PCa) ist die häufigste Krebsart bei deutschen Männern, jährlich werden etwa 60.000 Männer mit bioptisch nachgewiesenem PCa diagnostiziert. Zu den Behandlungsmöglichkeiten gehören die radikale Prostatektomie, die aktive Überwachung und andere. Der Oncotyp DX Genomic Prostata Score (GPS) unterstützt die Behandlungsentscheidung zum Zeitpunkt der Diagnose bei Patienten mit niedrigem oder günstigem intermediärem PCa-Risiko. Die aktuelle Studie untersuchte die zu erwartenden Kosten für die Behandlung von PCa mit und ohne Oncotyp DX Test in Deutschland über einen Zeithorizont von 5 Jahren.

Methode

Es wurde eine strukturierte Literaturrecherche durchgeführt, um die durchschnittlichen Kosten pro Jahr und die Patientenverteilung für die radikale Prostatektomie und die aktive Überwachung bei Patienten mit Biopsie bestätigtem PCa in Deutschland zu ermitteln. Ein Budget-Impact-Modell mit einem Zeithorizont von bis zu 5 Jahren, basierend auf prospektiven klinischen Daten von 48 Monaten, wurde erstellt, um die Gesamtkosten pro durchschnittlichem Patienten für die verschiedenen Behandlungsarme mit und ohne Oncotype DX GPS Assay zu berechnen. Dabei wurden die Auswirkungen unterschiedlicher Patientenverteilungen berücksichtigt: Es wurden sowohl ein statischer als auch ein dynamischer Ansatz (Markov-Chain) für den Therapiewechsel über die Zeit modelliert.

Ergebnisse

Über einen Zeitraum von 5 Jahren bringt der Oncotyp DX Test Einsparungen pro Patient von durchschnittlich € 2.689 (statisch) bzw. € 1.461 (dynamisch). Bei dieser konservativen Schätzung kompensieren die Einsparungen größtenteils die Kosten der Tests. Die Kosteneinsparungen für die gesetzliche Krankenversicherung werden hauptsächlich im Jahr 1 realisiert und sind in erster Linie auf die Vermeidung der radikalen Prostatektomie zurückzuführen, die 15-mal teurer ist als die aktive Überwachung. Die Ergebnisse hängen von der Anzahl der Patienten ab, die von der Prostatektomie zur aktiven Überwachung wechseln.

Zusammenfassung

Die Budget-Impact-Analyse hat gezeigt, dass der Oncotyp DX Test einen Beitrag zur Kosteneinsparung für die Krankenversicherung in Deutschland leisten kann. Einsparungen werden vor allem durch die Vermeidung radikaler Prostatektomien erzielt.


Authors
Derya Tilki, Martini-Klinik Prostatakrebszentrum und Abteilung für Urologie Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Deutschland
Christof Minartz, IFGPH GmbH Institut für Gesundheits- und Pharmakoökonomie, München, Deutschland
Kirsten H. Herrmann, Exact Sciences Deutschland GmbH, Köln, Deutschland
Kieran Kenny, Exact Sciences International Sàrl, Genf, Schweiz
Aljoscha S. Neubauer, IFGPH GmbH Institut für Gesundheits- und Pharmakoökonomie, München, Deutschland
Bewertung und Erstattung von Genexpressionstests bei Brustkrebs in Europa - Eine vergleichende Policy Analysis
Kirsten H. Herrmann, Exact Sciences GmbH

Einleitung

Eine adjuvante chemo-endokrine Therapie wird eingesetzt, um das Risiko eines Rezidivs bei HR+, HER2- Brustkrebs im Frühstadium zu senken. Nicht alle Patientinnen profitieren gleichermaßen von einer Chemotherapie, und eine unangemessene Anwendung der Chemotherapie ist mit kurz- und langfristigen Nebenwirkungen verbunden. Trotz der Bemühungen um einen europaweiten HTA-Prozess zur Bewertung des Evidenzniveaus von Genexpressionstests verwenden die Länder immer noch nationale Bewertungen und Erstattungsverfahren. Es wurde eine vergleichende Analyse der Bewertung und Rückerstattung von Genexpressionstests durchgeführt.

Methode

Einschlusskriterien waren öffentlich zugängliche HTA-Entscheidungen und der Erstattungsstatus in vorausgewählten europäischen Ländern für Genexpressionstests. Die folgenden HTA-Berichte wurden analysiert: Österreich, Belgien, Frankreich, die Niederlande, die Schweiz, England, Schottland und EUnetHTA. Vier Tests wurden ausgewertet: Oncotyp DX® Test, MammaPrint®, EndoPredict® und Prosigna®.

Ergebnisse

Alle Bewertungen wurden zwischen 2014 und 2020 veröffentlicht. Der Oncotyp DX Test wurde in 5 Ländern bewertet, MammaPrint in 6 Ländern, EndoPredict und Prosigna in 4 Ländern. Frankreich (2019), Belgien (2015), England (2018) und Deutschland (2020) bewerteten alle Tests zur gleichen Zeit. Die Niederlande und EUnetHTA (2018) bewerteten nur MammaPrint. Österreich (2014) bewertete nur den Oncotyp DX Test. Es können drei Erstattungsansätze unterschieden werden: 1. Erstattete Tests - Deutschland (bisher nur Oncotype DX-Test) und England (Oncotype DX Test, EndoPredict und Prosigna). 2. Innovationsfinanzierung mit Datenerhebung - Frankreich (alle Tests), Belgien (Oncotype DX-Test und MammaPrint) und Schweiz (alle Tests). 3. Abgelehnte Tests - Die Niederlande lehnten die Erstattung von MammaPrint ab.

Zusammenfassung

HTA-Bewertungen unterschieden sich in der Auswahl der bewerteten Tests, im Zeitrahmen und führten zu einem unterschiedlichen Erstattungsstatus in Europa. Bis heute ist der Oncotyp DX Test der einzige Test mit langfristigen prospektiven RCT-Daten, die eine präzise Vorhersage des Chemotherapienutzens bestätigen, aber dies führte nicht zu einer Harmonisierung der Schlussfolgerungen der HTA-Bewertung.


Authors
Marie-Geneviève Plaud, Ecker + Ecker GmbH, Hamburg, Deutschland
Elena Helk, Ecker + Ecker GmbH, Hamburg, Deutschland
Thomas Ecker, Ecker + Ecker GmbH, Hamburg, Deutschland
Kirsten H. Herrmann, Exact Sciences Deutschland GmbH, Köln, Deutschland
The association of time preference with behavioral and biomedical risk factors for diabetes: a cross-sectional analysis for validation and correlation
Hannah Schillok, Institut für Medizinische Informationsverarbeitung, Biometrie und Epidemiologie –IBE, Ludwig-Maximilians-Universität München, Pettenkofer School of Public Health, München

Einleitung

The incidence of diabetes mellitus is steadily increasing on a global scale. Especially type 2 diabetes (T2D) accounts for a large part of decreased quality of life, impaired productivity and premature mortality globally and therefore poses a worldwide burden on healthcare systems, initiated by high economic costs and severe health complications. Identifying subjects at risk in preliminary stages of the illness and its potential determinants is a key factor for effective preventive action. Recent literature described the influence of time preference, i.e. the intertemporal trade-off between an immediate reward and a delayed, usually larger advantage, on risky health behavior and several biomedical indicators for T2D. This study aimed to assess the association of time preference and the non-chronical precursors of T2D, namely metabolic syndrome and prediabetes.

Methode

We used data from the population-based KORA (Cooperative Health Research in the Area of Augsburg) Fit cohort (2017-2019) (N= 2,652). We measured time preference via a choice-based instrument, eliciting individual discount rates. We assessed its construct validity via correlation analyses and compared it to alternative eliciting methods. To test the cross-sectional relationship between individual time preference and physical inactivity, excessive alcohol consumption, and smoking, as well as the presence of prediabetes and metabolic syndrome (MetS) in the main analysis, we estimated binary logistic regression models. In a sub-analysis, we examined MetS in detail by analyzing its risk factors as outcome variables (elevated waist circumference, elevated triglycerides, reduced HDL levels, elevated systolic or diastolic blood pressure, elevated fasting glucose). We extensively tested our results against alternative definitions of time preference in a sensitivity analysis. All analyses were controlled for other psychosocial variables, namely risk preference, optimistic attitude, and self-efficacy.

Ergebnisse

A higher discount rate (i.e. a more present-oriented attitude) was positively associated with smoking behavior and elevated waist circumference. Other robust associations were not evident. The results of the sensitivity analysis using different definitions of time preference showed generally a similar picture.

Zusammenfassung

This study provides a new outlook on the link between time preference and the progression towards T2D. The findings were mostly driven by men who would thus be the main target for derived behavioral interventions. Future research should focus on developing a more robust and context-dependent measurement in order to obtain less ambiguous conclusions about time preference.


Authors
Hannah Schillok, Institut für Medizinische Informationsverarbeitung, Biometrie und Epidemiologie –IBE, Ludwig-Maximilians-Universität München, Pettenkofer School of Public Health, München
Sara Pedron, Helmholtz Zentrum München
Michael Laxy, Helmholtz Zentrum München
Florian Karl, Helmholtz Zentrum München
Annette Peters, Helmholtz Zentrum München
Margit Heier , Helmholtz Zentrum München
Birgit Linkohr, Helmholtz Zentrum München
Lars Schwettmann, Helmholtz Zentrum München